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„Pferde brauchen Geduld. Wenn man sich benimmt, als hätte man nur 15 Minuten Zeit, dann braucht man einen Tag. Benimmt man sich aber, als hätte man einen ganzen Tag Zeit, dann braucht man nur 15 Minuten.“                                                                                                                                                             Monty Roberts

 

Pferde sind Herdentiere mit einem starken Sicherheitsbedürfnis.

Der Umgang mit ihnen und die Haltungsbedingungen der Pferde sollten unbedingt ihren hohen Ansprüchen gerecht werden.

Pferde sollten prinzipiell nicht alleine gehalten werden, sie brauchen den Kontakt zu Artgenossen zur Befriedigung ihres Sicherheitsbedürfnisses. Außerdem gehen sie Freundschaften ein, spielen miteinander und pflegen sich gegenseitig das Fell.

Ihnen durch Einzelhaltung diese Sozialkontakte vorzuenthalten ist auf keinen Fall artgerecht und kann die Ursache für verschiedene Verhaltensstörungen, wie beispielsweise Barrenwetzen oder Gitterbeißen sein.

 

Dem hohen Bewegungsdrang der Pferde muss bei ihrer Haltung ebenfalls Rechnung getragen werden. Auch hier können sonst Verhaltensstörungen wie das Weben entstehen.

 

Pferdehalter stehen also, wie auch alle anderen Tierhalter in der Pflicht, ihrem Tier optimale Haltungsbedingungen zu bieten, um die Gesundheit und das Wohlbefinden ihres Pferdes zu erhalten.

Die Unterbringung der Pferde sollte weder in einem Anbindestand noch in geschlossenen Boxen erfolgen – beides ist nicht artgerecht.

Sicher hat nicht jeder Pferdehalter die Möglichkeit und/oder die Finanzen um zwei oder mehrere Pferde zu halten – hier sind Stallungen, die Stellplätze an Privatpersonen vermieten eine gute Alternative. Es sollte aber darauf geachtet werden, dass die Pferde dann nicht nur im Stall stehen, sondern dass sie auch die Möglichkeit haben, sich mit Artgenossen auf einer Koppel oder Weide zu bewegen.

Wer jedoch einen eigenen Stall und eine Koppel und/oder Weide besitzt, sollte seinem Pferd einen Kameraden zur Gesellschaft geben. Da das nicht immer ein zweites Pferd sein kann oder soll, kann der Halter sein Pferd auch mit einer Ziege vergesellschaften, welche übrigens oft genug auch in den örtlichen Tierheimen zu finden sind.

 

Pferde haben das Bedürfnis, sich täglich mehrere Stunden zu bewegen – meist im Schritttempo.

Dementsprechend sollte auch ein Reitpferd beschäftigt werden. Können Sie das als Halter nicht gewährleisten, sollten Sie nach Möglichkeit eine Reitbeteiligung in Erwägung ziehen. Dadurch kann das Pferd zumindest theoretisch doppelt so viel bewegt werden, wogegen sich die Kosten halbieren können.

Trotzdem sollte das Pferd die Möglichkeit haben, sich auf einer Koppel /Weide auszutoben und mit Artgenossen Sozialkontakte zu pflegen. Das natürlich um so mehr, wenn eine Reitbeteiligung nicht möglich oder nicht erwünscht ist.

 

In der freien Natur beschäftigen sich Pferde 50 – 70 % des Tages mit der Nahrungsaufnahme.

Sie bewegen sich dabei im Schritttempo und rupfen Gräser und Kräuter oder knabbern Blätter und junge Triebe verschiedener Laubhölzer. Pferde kauen sehr sorgfältig, so dass es nur sehr selten zum Verschlucken von Fremdkörpern kommt.

Unsere Hauspferde zeigen das gleiche Fressverhalten und dem muss Rechnung getragen werden.

Sie sollten täglich mindesten 12 Stunden für die Futteraufnahme zur Verfügung haben und auch die Futterzusammenstellung muss diesem arttypischen Fressverhalten angepasst werden.

Neben Kraftfutter muss eine ausreichende Menge an Raufutter angeboten werden.

Kann das Pferd seinen natürlichen Fresstrieb dauerhaft nicht ausleben, stellt sich bei ihm Frustration ein, in deren Folge Verhaltensstörungen entstehen können. Diese Pferde können beispielsweise anfangen Holz zu benagen oder beißen in Gitterstäbe.

Barrenwetzen kann ebenfalls durch einen dauerhaft unbefriedigten Fresstrieb ausgelöst werden.

 

Pferde sind Fluchttiere mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis. Selbst Kleinigkeiten, die ihre gewohnte Umgebung verändern, lösen bei ihnen eine Fluchtreaktion aus. So kann bereits ein loses Stück Plane oder ein Papierfetzen, der sich im Wind bewegt beim Pferd Panik auslösen.

Pferde sollten daher ausreichend Zeit bekommen, ihre Umgebung und Veränderungen in ihrem Umfeld mit allen ihren Sinnen zu erkunden und kennen zu lernen.

 

Erschreckt sich das Pferd oder zeigt Angst vor bestimmten Situationen oder Gegenständen sollte das Tier auf keinen Fall bestraft werden. Das würde die Angst des Pferdes nur noch verstärken.

Stattdessen sollten Sie als Halter das Pferd langsam an die Situation / den Gegenstand heranführen und ihm Zeit geben, alles in Ruhe zu untersuchen. Sie sollten sich dem Pferd dabei ruhig, gelassen und souverän geben, um ihm ein hohes Maß an Sicherheit zu vermitteln.

 

Grundsätzliches:

 

Pferde lernen durch „Versuch und Irrtum“.

Bei ihrer Erziehung sollte daher darauf geachtet werden, dass das Tier hauptsächlich Erfolgserlebnisse hat. Irrtümer sollten keineswegs mit Schmerzen verbunden sein.

Der Lernprozess und damit die Erziehung des Pferdes sollte in kleinen Schritten erfolgen damit das Pferd nicht überfordert wird.

Ist es erst einmal überfordert und verliert die Lust am Lernen, ist es schwer, es wieder zu neuen Übungen zu motivieren.

 

Es gibt verschiedene Hilfen bei der Erziehung von Pferden, wie z. B. die Stimme, Belohnungen, optische Zeichen oder Führungshilfen. Diese Hilfen sollten so eingesetzt werden, dass das Pferd deren Bedeutung eindeutig verstehen kann und richtiges Verhalten positiv verstärkt, also belohnt wird. In den meisten Fällen genügt es völlig, falsches Verhalten einfach zu ignorieren.

Sollte es wirklich einmal notwendig sein, zu strafen, sollte die Strafe artgerecht sein, z. B. reicht oft ein „NEIN“ oder eine sofortige Korrektur des falschen Verhaltens aus.

Auch bei Pferden sollte Lob oder Korrektur sofort bei dem jeweiligen Verhalten erfolgen, mit Korrektur kann das unerwünschte Verhalten auch unterbrochen werden. Erfolgt die Reaktion des Halters zu spät, bringt das Pferd sie nicht mehr mit seinen Verhalten in Verbindung.

 

Strafen in Form von Gewalt oder Anschreien sind immer unangebracht und zerstören das Vertrauen des Pferdes in den Menschen.

 

Pferde können sich etwa 15 – 20 Minuten ohne Pause konzentrieren, daran sollte sich auch die Dauer der Übungseinheiten orientieren. Sie sollten auch immer mit einem positiven Erlebnis für das Pferd beendet werden sonst wird es schwer, es für das nächste Training zu motivieren.

Auch Pferde haben mal einen schlechten Tag. In solchen Fällen sollten Sie als Halter beim Training nichts Neues probieren. Besser ist es, wenn Sie das bereits Gelernte wiederholen und das Training mit einer Belohnung und Streicheleinheiten beenden.

Wenn das Training gut läuft, sollte es trotzdem nie länger als 15 – 20 Minuten dauern. Eine Verlängerung wäre keine Belohnung für das Pferd sondern strengt es zu sehr an, da seine Konzentrationsfähigkeit merklich nachlässt und der Lernerfolg nicht mehr gegeben ist.

Besser ist es, wenn Sie mehrere Trainingseinheiten von etwa 10 Minuten Länge über den Tag verteilen.

Wenn das Pferd nach dem Training gähnt, können Sie sicher sein, dass Sie die ganze Zeit über die ungeteilte Aufmerksamkeit des Tieres hatten.

 

Die Voraussetzung für jede Arbeit mit dem Pferd ist, dass es konsequent in seinen untergeordneten Rang eingewiesen wurde, dass es Sie als „Leittier“ akzeptiert und vor allem, dass das Pferd dem Menschen vertraut.